Predigt 22.03.2020

Recht bei Trost?!

Ist es das was wir jetzt brauchen? Ein wenig "Heile, heile, Segenn". Ein Trostpflaster: "Es wird alles wieder gut!" "Wir können das stemmen" "Wenn wir jetzt alle zusammenhalten"

Das ist zu wenig, zu billg, hilft nicht. Also lieber gar keine Trost? Doch, aber richtigen Trost. So wie einen seine Mutter tröstet. So wie Gott tröstet.

 Und wie tröstet eine Mutter: durch aktive Zuwendung, durch Umarmung, durch Geborgenheit. Es ist medizinisch erwiesen, dass solcher Trost tatsächlich schmerzstillende und heilende Wirkung hat. Auch Gottes Trost

Geborgenheit weckt die Immunabwehr des Körpers.

Wenn Gott uns tröstet dann fließen heilende Ströme in uns für Leib und Seele,

Selbstheilungskräfte werden aktiviert, Kraft fließt von ihm zu uns. Gottes Trost stärkt unsere seelischen Immunkräfte und schenkt Widerstandskraft für die Seele oder auch Resilienz genannt.

„ … wie einen eine Mutter tröstet“: Können Väter das nicht? Vielleicht, weil wir als Jungs vom Trost der Mutter überwältigt, überschüttet, vielleicht sogar erdrückt wurden? Nach der Art: Taschentuch, Spucke drauf, um dann eine Wunde zu säubern oder gar den Mund abzuwischen.

Es war nicht immer nur schön, aber gut, dass wir eine Mutter hatten, die uns liebt.

 Ich glaube aber wirklich: Beim Trösten sind die Mütter gefragt, nicht so sehr die Väter. Trösten kann eine Mutter um Längen besser als wir Väter und das ist biologisch bedingt.

Trost und Erbarmen sind Übersetzungen eines hebräischen Begriffs, der eigentlich "Mutterschoß" bedeutet.   Das bedeutet Erbarmen, Trost ist die bedingungslose Lieber, die eine werdende Mutter schon für das Kind in ihrem Leibe empfindet. Die Mutter hat das Kind noch nicht gesehen, sie weiß nicht, ob Junge oder Mädchen, ob klug oder dumm, sie liebt es einfach, weil es da ist. Und diese Liebe ist nicht nur ein Gefühl. Sie sorgt für das Kind, schenkt dem Kind sein Leben, riskiert Gesundheit und Leben um dieses Kind gesund zur Welt zu bringen.

So wird gerade die Mutterliebe zum Bild für die Barmherzigkeit und den Trost Gottes, der uns liebt, einfach weil wir da sind, einfach weil wir seine Geschöpfe sind. Und diese Barmherzigkeit ist ebenso nicht nur ein Gefühl, sondern rettet, schützt, hilft, heilt.

So ist Gottes Trost auch. Paulus nennt Gott den "Gott allen Trostes", weil er rettet und heilt und hilft wie keine anderer.

Das deutsche Wort Trost hat dieselbe sprachliche Wurzel wie Trotz, Trutz und das englische trust (Vertrauen) Wer Gottes Trost hat, der trotzt allen Gefahren, bekommt Widerstandskraft gegen Schmerzen, Anfechtungen, Angriffen, Angst.... Wen Gott tröstet der kann ihm Vertrauen, gerade auch in Situationen wo die Wunde nicht gleich verheilt, der Schmerz nicht gleiche nachlässt und der Kampf nicht gleich gewonnen wird.

So bestätigt es auch Paulus: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus! Er ist der barmherzige Vater, der Gott, von dem aller Trost kommt! In allen Schwierigkeiten ermutigt er uns und steht uns bei, so dass wir auch andere trösten können, die wegen ihres Glaubens angefeindet werden. Wir ermutigen sie, wie Gott uns ermutigt hat.“ (2. Korintherbrief 1,3-5)

Pfr. Martin Hirschmüller

Predigt für den 29.03.2020

 

 

Herr,  wir bitten dich:
Gib uns ein Herz für dein Wort
 und ein Wort für unser Herz.   und

Lass uns nicht nur Worte hören, sondern dein Wort.)

 

Liebe Gemeinde,

 

hören wir den Predigttext für den heutigen Sonntag aus Hebräer 13 - die Verse 12 bis 14

Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen

vor dem Tor.

So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen.

Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir

Hinterher kein Amen

 

 

Liebe Gemeinde,

wie eine Treppe mit vielen Stufen stellen sich die Sonntage seit dem 1. Sonntag in der Passionszeit dar.

Seitdem stehen wir Sonntag für Sonntag auf der Treppe, die uns durch die Passionszeit zur Karwoche führt,

in der wir den Leidens- und Todesweg Jesu mitgehen.

Heute sind wir auf der letzten Treppenstufe angelangt.

Am nächsten Sonntag feiern wir Palmsonntag, den Tag, der uns das Tor zur Leidensgeschichte Jesu öffnet.

Die Predigttexte dieser »Treppen-Sonntage« haben uns in den letzten Wochen erinnert an das

»Geschehen ohnegleichen«.

 

Auch der heutige Sonntagstext zeigt uns einen Aspekt, der uns das Leiden und Sterben Jesu und seine

Bedeutung für uns Menschen nahe bringen und erschließen will:

Seinen Sühnetod für die Schuld der Menschheit, die uns von Gott trennt.

 

Gerade weil die Bedeutung des Sterbens Jesu als Sühne für die Menschenschuld in den letzten Jahren

in unserer Kirche von manchen bestritten wird, ist es nötig, auf das zu hören, was der unbekannte

Verfasser des Hebräer-Briefes seiner im Glauben müde gewordenen und zur Resignation neigenden

Gemeinde sagt.

Hier hören wir, wie er sie ermutigt, auf ihrem Weg des Glaubens zu bleiben und in ihrem Kampf des

Glaubens nicht nachzulassen.

Er tut das nicht mit lauten Parolen und schneidigen Appellen, er weist nur hin auf das, was Jesus für uns ist.

Wenn er nun durch seine ruhigen Worte auch unsere Blicke auf Jesu Weg und Werk lenkt, dann könnte

auch bei uns neue Zuversicht einkehren. Dann könnten wir auch Mut gewinnen für unseren Weg mit dem

Gekreuzigten und Auferstandenen.

Welche Hinweise gibt uns unser Text für diesen Weg?

 

1. Auf Jesu Werk bauen

»Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor.«

 

In diesem Satz, liebe Gemeinde, ist die ganze Passionsgeschichte zusammengefasst, die uns in den vier

Evangelien des Neuen Testaments bis in alle Details erzählt wird.

Ein einziger Satz genügt dem Schreiber des Hebräerbriefs. Mehr braucht es nicht.

»Draußen vor dem Tor« –

stellen Sie sich vor

einen Zug von Menschen durch das Stadttor von Jerusalem hinausziehen zum Richtplatz, zum Galgen,

zum Hügel Golgatha.

 

Jesus ist mitten unter ihnen. Er durfte ja nicht innerhalb der Stadtmauern hingerichtet werden.

Draußen war sein Platz, dort, wohin man sonst die Verbrecher hinausgeführt hat.

Dort hat Jesus sein irdisches Ende gefunden.

Tiefer geht es nicht.

Hier hat sich der einzige Schuldlose geopfert für die Schuld der Menschheit, für unsere Schuld,

»damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut«.

 

Für uns alle hat er Sühne geleistet und hat vor Gott uns Menschen gerecht gemacht, uns mit Gott versöhnt.

Alle sind wir eingeladen, diese Versöhnungstat, die Jesus am Kreuz für alle vollbracht hat, im Glauben

und Vertrauen für uns persönlich anzunehmen.

Da spielt es keine Rolle, ob wir aus der Nähe oder aus der Ferne kommen, aus christlichen Traditionen

oder neu zum Glauben gekommen.

 

Jesu Tod am Kreuz gilt für uns alle, sein stellvertretendes Opfer macht uns frei von Schuld.

Sein Heilandswerk am Kreuz ist das Zeichen der Versöhnung, das über dieser Welt aufgerichtet ist -

für uns

Darum: Auf Jesu Werk bauen.

 

2. Dem Weg Jesu trauen

»So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen.«

 

»Hinausgehen aus dem Lager« – das meint den Aufbruch, der immer mit dem Glauben verbunden ist.

Aufbrechen aus dem Üblichen und Gewohnten, Schritte tun, an die man früher nicht gedacht hat,

 

Immer ist der Glaube an Jesus mit Aufbrüchen verbunden, die aus dem »Schema dieser Welt« 

herausführen, wie Paulus in Römer 12 schreibt.

Heraus aus den mancherlei Gepflogenheiten und Gefangenschaften, die in dieser Welt gelten.

Aufbrechen –
das meint den Mut zum Anderssein, zum Schwimmen gegen den Strom.

Es ist genau das, was Paulus den Römern schreibt:

 

»Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes« (Römer 12, 2).

 

Schon im Alten Testament können wir solche Aufbrüche beobachten.

Abraham wird herausgerufen aus seinem Vaterland und seiner Verwandtschaft in ein Land,

das er noch nicht sieht.

Israel bricht auf aus Ägypten und verlässt die Fleischtöpfe, die Vorteile und Vorzüge dieses Landes und

zieht auf Gottes Geheiß in ein Land, das Gott allein kennt.

Von Abraham und Israel wölbt sich ein weiter Bogen bis in das Neue Testament und bis in unsere

Gegenwart hinein.

Denn Christsein heißt aufbrechen, heißt unterwegs sein als das »wandernde Gottesvolk«,

von dem der Hebräerbrief spricht.

 

Es heißt, sich einreihen in die Schar derer, die mit Jesus hinauszieht aus der Stadt, es heißt,

»die Schmach Christi tragen«,

 Nachteile in Kauf nehmen, verspottet, nicht ganz ernst genommen zu werden

im Extremfall sogar verfolgt werden, so wie es heute in manchen Teilen der Erde den Christen geschieht.

 

»Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist, weil Leben heißt: sich regen, weil Leben wandern

heißt« –

Wir sind in unserer westlichen Welt heute eine satte, leidensscheue und wenig flexible Christenheit

geworden, in der man nicht mehr viel merkt von einem Geist des Aufbruchs.

 

Etabliert sind wir, sesshaft, angepasst an die Welt, die uns umgibt, verschanzt hinter Mauern

unserer Kirchen und Gemeindehäuser –

und deshalb fallen wir kaum noch auf unter den gesellschaftlichen Gruppen unserer Zeit, deshalb fehlt uns

weithin die Ausstrahlung.

 

Aber vielleicht ändert sich das Gerade - wir werden gerade herausgerissen aus unserer Welt der Sicherheit....

 

»Lasst uns nun mit ihm hinausgehen aus dem Lager.«

Auch wenn das momentan natürlich nicht wortwörtlich gemeint ist.

 

Wir bleiben momentan daheim, aber es hindert uns nichts  - digital oder am Telefon - gerade in der nun

gegenwärtigen Situation uns zu IHM zu bekennen.

 

Und damit auch Trost zu spenden. Ich spüre dass viele diesen Trost brauchen.

Und wir dürfen gewiss sein:

». Er geht diesen Weg mit uns. Wir sind nicht allein, - Ihm können wir trauen.

 

3. Nach Gottes Stadt schauen

»Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.«

 

Noch einmal: Christen sind Menschen, die unterwegs sind. Ihr letztes Ziel liegt nicht in dieser Welt.

Es ist Gottes Stadt, sein ewiges Reich.

Wir haben hier keine bleibende Stadt. diese Erfahrung müssen wir alle machen.
Wir sind nur Gast auf Erden.

 

Wanderer auf der Durchreise. Wie gut, wenn wir auch in die Fortsetzung einstimmen können.

aber die zukünftige suchen wir.

 

Wir müssen nicht überall hin. und her suchen, ruhelos und ja nicht festgelegt, weil man vielleicht doch

noch etwas versäumen oder etwas besseres gewinnen könnt.

Wir haben ein Ziel und ein Zuhause.

Es gibt ein schönes Abendgebet von Gerhard Tersteegen:

 

Ein Tag, der sagt’s dem andern

mein Leben sei ein Wandern

zur großen Ewigkeit.

O Ewigkeit, so schöne,

mein Herz an dich gewöhne,

mein Heim ist nicht in dieser Zeit.

Dass feste Rituale dem Menschen Geborgenheit geben, darüber hat Anselm Grün ein wichtiges Buch

geschrieben. Nur wer ein Ziel vor Augen hat, kann das Leben bestehen und diese Welt aushalten.

Und nur wer immer wieder einen Aufbruch wagt, ist in Wahrheit unterwegs, kommt schließlich ans Ziel.

Auf Jesu Werk bauen,

dem Weg Jesu trauen,

nach Gottes Stadt schauen

– das wollte uns der Schreiber des Hebräerbriefs heute lehren.

 

Vor ein paar Tagen habe ich etwas von Pfarrer Jochen Hägele gelesen:

Hier ein Auszug:

Im Normalfall haben wir kaum Zeit, uns auf uns zu besinnen - uns mit dem Wesentlichen zu beschäftigen....

Jetzt haben wir manchmal mehr Zeit als uns lieb ist....

Gönnen Sie sich am Morgen einen zuversichtlichen Start in den Tag

Ein Bibelwort zur Ermutigung

Jesus sagt:

Kommt her zu mir alle, die ihr voll Mühsal und unter Lasten lebt. Ich gebe euch neue Kraft.

 

Herr mein Gott, trage uns alle durch die Krise.

Ich will darauf trauen, dass du einen guten Weg hast, auch wenn ich ihn nicht erkennen kann.

Dein Wille geschehe

 

Ich entscheide mich gegen Angst und Sorge und öffne mich für die Hoffnung des Glaubens

 

Wir sind auf unserem Weg nicht allein.

Der auferstandene Gekreuzigte ist bei uns mit seiner Verheißung:

 »Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende«     

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der öffne unsere Herzen und stärke unsere Liebe in Jesu Christi.    

 

 

 Amen    

 

Prädikantin Kerstin Kimmel